Die geistige Heilung durch Verbindung mit der jenseitigen Welt

- 32 - 6. Mustafa Mujagi tsch Bei den bislang vorgestellten vier Heilern handelte es sich um Christen, die der Auffassung sind und das stets betonten, daß die von ihnen vermittelten Heilkräfte göttlichen Ursprungs sind. Die mit ihnen zusammenarbeitenden Geistwesen (die jenseitigen Ärzte) fühlten sich Christus untertan. Arigó sagte immer wieder: "Nicht ich heile, wer heilt ist Jesus!" Bei dem folgenden Heiler handelt es sich um einen Mohammedaner, der seine Heilfähigkeit auf Allah zurückführt, also auf das höchste Wesen, das identisch ist mit dem Gott, den auch die Christen, Juden und Parsen verehren. Er spricht nicht von weiteren jenseitigen Helfern oder Engeln, sondern nur von Allah. Der Name des Heilers lautet Mustafa Mujagitsch. Er ist ein Bosniake und 1875 in dem bosnischen Dorf Tesnju geboren (17, S. 372). Von Beruf war er Rechnungsinspektor (des Finanzministeriums) in Sarajewo. Dort lebte er auch nach seiner Pensionierung und war 1955 noch sehr rüstig. Aus jenem Jahr und seinem Mund stammen die folgenden Informationen (12; 17; 19). Mujagitsch übte seine Heiltätigkeit seit 1901 aus. Sie war sehr speziell und bezog sich nur auf die Behandlung vernachlässigter madiger Wunden und auf die Heilung des Bisses von Giftschlangen bei Menschen und Tieren. Beides sind körperliche Beeinträchtigungen, die besonders ländliche Bevölkerung in Gebieten zu schaffen machen, wo es kaum Ärzte gibt. Eine Wunde vermadet nur, wenn sie nicht ausreichend gereinigt und versorgt wird. Das ist dann zwar unangenehm, aber nicht unbedingt tödlich. Der Biß einer sehr giftigen Schlange dagegen führt unweigerlich zum Tod, wenn nicht sehr schnell mit einem Schlangenserum behandelt wird. Aber wo gab es das schon um die Jahrhundertwende in Bosnien? Da setzte dann die Hilfe von Mujagitsch ein, der mit bestimmten Heilformeln oder Gebeten den Kranken retten konnte, wenn er rechtzeitig gerufen wurde. Nach dem ersten Weltkrieg spielte dabei auch das sich stärker ausbreitende Telephon eine Rolle. Mujagitsch brauchte bei der Behandlung nicht unmittelbar bei dem Patienten anwesend zu sein. Die Heilung vollzog sich auch über das Telephon. Der Schriftsteller Alexander Sacher-Masoch erlebte als Augenzeuge derartiges im Jahre 1954. Er berichtet (12): "Hinter Belgrad liegt geographisch unsichtbar, aber kulturell um so spürbarer, die alte osmanische Grenze. Diese Gebiete haben, es ist noch gar nicht so lange her, 500 Jahre Türkenherrschaft hinter sich. Unser Mittagsbrot, bestehend aus Lammfleisch am Spieß mit weißen Bohnen, nahmen wir in Jajce, einem romantischen mazedonischen Gebirgsstädtchen, ein. In der 'Kafana', in der uns später der unvermeidliche 'Turska' in Kupferkännchen serviert wurde, wurden wir zufällig Zeugen eines recht ungewöhnlichen Vorfalls. Das Seltsamste daran war, daß von allen Anwesenden wir allein dieses Erlebnis als außergewöhnlich empfanden. Plötzlich wurde die Türe aufgestoßen, und man brachte auf einer Tragbahre einen jungen Menschen in die Kafana, schweratmend, grau im Gesicht, Schaum vor den Lippen. Ein vom Tode gezeichnetes Gesicht. Wir erführen, daß der Unglückliche soeben von einer 'Priskok', der überaus giftigen Springviper, deren Biß unbedingt tödlich ist, erwischt worden sei. 'Hilf uns Wirt', sagte einer der Männer. 'Er stirbt uns. Wir müssen den Gospodin Doktor Dijmia verständigen. Er ist zum Schlangenkauf hier.' 'Gut', sagte der Wirt. 'Ich schicke meinen Sohn ins Hotel Pliva. Dort pflegt er zu wohnen.' Minuten verstrichen. Da erhob sich ein Mann von einem der Tische, weißbärtig, hochgewachsen, hager. Aus seinem hellen Turban lugte der rote Fes hervor. Er trug Opanken an den Füßen. Entschlossen trat er zu dem Kranken, der kaum noch atmete: 'Man darf nicht warten', sagte er, 'der Tod kommt schnell. Hier kann nur Mustafa Effendi Mujagitsch helfen. Aber er ist über hundert Kilometer weit, in Sarajewo. Versuchen wir's. Meine Tochter hat er auch durchs Telephon geheilt.' Wir trauten unseren Augen und Ohren nicht.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI1MzY3