Psychowissenschaftliche Grenzgebiete

     

Ein Zwiegespräch in der Adventszeit.
 
Titel: Der Stern von Bethlehem
Verfasser: R. Linnemann
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Diese kleine Geschichte entstand in Anlehnung an die Inhalte einiger ausgewählter Sitzungsprotokolle des Medialen Friedenskreises Berlin (MFK).


Spätherbst…

Ein kalter Ostwind reißt die letzten Blätter von den kahlen Bäumen und rüttelt an den Fensterläden des großen Landhauses. Die tiefstehende rote Sonne und die einsetzende Dämmerung tauchen die umliegende Landschaft in ein eigentümliches Licht. Über den nahen Wäldern, an denen sich weite Ackerflächen anschließen, kreist ein Raubvogelpaar, auf der Suche nach Beute. Am großen Panoramafenster des Hauses steht ein hochgewachsener, drahtiger Mann mittleren Alters. Die Hanglage ermöglicht ihm einen weiten Blick über das Land und auf die angrenzenden Wälder. Gern sitzt er an diesem Fenster und genießt die Ruhe, die die Landschaft auf ihn ausstrahlt. Leider läßt ihm sein schwerer Beruf nur wenig Zeit für solche meditativen Stunden, die er so liebt.

Auf der kurvigen, schmalen Landstraße, die durch den nahegelegenen Wald führt, sind kaum noch Fahrzeuge unterwegs. Wie klein doch alles aus dieser Entfernung wirkt. Ernst und gedankenversunken schaute der Mann zur Landstraße hinüber. Heute morgen noch hatte er in einer mehrstündigen Operation versucht, einem kleinen Mädchen das Leben zu retten. Nicht weit entfernt von seinem Anwesen wurde das Kind auf seinem Fahrrad von einem schleudernden Auto erfaßt, dessen Fahrer einem Reh auszuweichen versuchte, das plötzlich auf die Straße sprang. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, die eine große Klinik bietet, hatte der bekannte Chefarzt und Chirurg versucht, dem Kind zu helfen, doch alle Anstrengungen waren umsonst. Schwerverletzt und ohne sein Bewußtsein wiedererlangt zu haben, verstarb das Kind im OP unter seinen Händen.

Der große, schlanke Mann schüttelte den Kopf, als ob er die Erinnerung an die OP loswerden wollte. Die Gedanken an seine persönliche Niederlage und an die Not der Eltern, die ihr totes Kind beweinen, quälen ihn. Sehr schwer war dieser Tag für den bekannten Mediziner gewesen. Um so mehr freute er sich jetzt auf den anbrechenden Abend und ganz besonders auf den Besucher, der sich angemeldet hatte.

Je mehr der Arzt über den Tod des Kindes nachdachte, desto mehr kamen auch die Einzelheiten seiner eigenen schweren Erkrankung in ihm hoch, die ihm vor wenigen Jahren fast selbst den Tod gebracht hätte. - Im Verlauf einer schweren Ornithose (Papageienkrankheit), ereilten ihn im Abstand von knapp zwei Tagen zwei Lungeninfarkte. Beide Male war es, als würde ein Spieß quer durch seine Brust gestoßen. Er glaubte zu ersticken und sein Gesichtsfeld engte sich kreisförmig von außen nach innen ein. Der Gedanke, der ihm vor dem Schwinden des Bewußtseins in Erinnerung blieb, war: Ach, so also ist das Sterben…

Nach landläufiger Vorstellung ist ja nichts so bitter wie der Tod und gibt es nichts Schrecklicheres als Sterben. Aber woher wissen wir das eigentlich? - Zwar gilt unwidersprochen, was Schuberts Wanderer klagt: "Eine Straße muß ich gehen, die noch keiner ging zurück", und dennoch leben weltweit viele Menschen, die schon einen Blick nach DRÜBEN taten. Und er gehörte seit Kurzem zu ihnen. - Nach einem unerträglichen Schmerz und der sich zunächst steigernden Todesangst erlebte er, analog der ihm bekannten Nahtodfälle aus eigener medizinischer Praxis, die Auflösung seiner eigenen Empfindungen, auch die des Zeit- und Gegenstanderlebens. Wie lange er in diesen Auf- und Erlösungszustand getaucht war, ist für ihn heute nicht mehr nachvollziehbar.

Das Thema des Sterbens hat für ihn eine bestimmte Vorgeschichte. Im engeren Sinn begann sie auf einem Hauptverbandsplatz des Internationalen Roten Kreuzes im Kosovo, wo er als junger Arzt Dienst tat. Der Mann am Fenster erinnerte sich an einen Schwerverwundeten der tief bewußtlos war. Als das Ärzteteam seinen Bauch öffnete, bot sich ihnen ein chaotisches Bild. Nur noch einige Fetzen des Darmes waren erhalten, aber immerhin war die Hauptschlagader heil. Sofort wollte man den Bauch wieder notdürftig schließen, als dem jungen Arzt die Bemerkung - über die er sich sogleich ärgerte - entschlüpfte, es gäbe auch Wunder. Also operierten sie. -

In Stunden wurden die wenigen erhaltenen Darmteile miteinander verbunden und ein künstlicher After angelegt. Mehrfach wollte das Team zwischenzeitlich aufstecken. Narkosemittel brauchten so gut wie keine gegeben zu werden, im Gegenteil - Herzkreislaufmittel und Bluttransfusionen. Ab und zu schien das Leben erloschen zu sein, und doch konnte man immer wieder Herzgeräusche zurückkehren hören. Was kaum einer des Ärzteteams geglaubt hatte, trat ein. Am nächsten Tag war der Verwundete wieder bei Bewußtsein, wenn auch noch nicht bleibend.

Obwohl es dem zum Leben Zurückgerufenen ohne Zweifel möglich gewesen wäre, sprach er außer einigen Andeutungen tagelang keinen Satz mit seinen Rettern. Trat jemand von den Medizinern an sein Lager, drehte er langsam den Kopf zur anderen Seite und schaute die Wand an. Eine schwere Verstimmung schien ihn heimgesucht zu haben. Der Mann am Fenster erinnerte sich noch genau an den ersten Satz, denn erst nach Tagen fragte der Gerettete: "Warum habt ihr das getan?" Es dauerte weitere Tage bis man genauer erfuhr, was er meinte und was er erlebt hatte.

Der Schwerverletzte war 28 Jahre alt, Sohn eines Bauern und sollte einmal den väterlichen Hof übernehmen. Krankheiten oder seelische Konflikte waren ihm bis zu seiner Verwundung fremd. Er entstammte einer völlig gesunden Familie, meinte immer, ihm könnte in diesem Krieg nicht viel passieren, und ging in jeden Kampf ohne Furcht. Der Bauchschuß traf ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Er erkannte sofort, daß da "innen alles zerfetzt wurde". Die Schmerzen waren unerträglich. Aber schreien kam für ihn nicht in Frage. Während des Trommelfeuers war kein Sanitäter zu holen gewesen. Er registrierte genau, wie die Kräfte abnahmen und das Bewußtsein sich langsam einengte. Ihm sei völlig klar gewesen, daß er im Begriff war zu sterben. Er könne sich genau daran erinnern, daß in dem Augenblick, in dem er nichts mehr erkannte, auch der Schmerz plötzlich verschwand. Es war alles wie ein Weggleiten oder Wegschwimmen, ein unbeschreibliches Gefühl der Befreiung und Erlösung.

Immer wieder stockte der Verwundete in seinem Bericht, holte Luft und entschuldigte sich, ihm fehlten die Worte, das richtig zu beschreiben, was er erlebt hatte. Aber über eines käme er immer noch nicht hinweg, daß man ihn wieder zum Leben zurückholte. Es war, als sei ihm das Paradies vorenthalten worden - so drückte er sich aus. Jedenfalls seien ihm die ersten Tage "wieder auf der Erde" furchtbar schwergefallen, und noch jetzt komme es ihm vor, als habe er einen schlechten Traum. Er könne sich nicht bedanken, sondern im Grunde uns allen nur Vorwürfe machen. Seine Haltung änderte sich auch in den nächsten Wochen kaum. Erst in den letzten Tagen vor seiner Genesung war er wenigstens zu einem angedeuteten Lächeln fähig. - Falsch wäre das Abtun seines Zustandes mit der Diagnose einer Depression oder gar einer zu Depressionen neigenden Persönlichkeit. Hierfür fehlten die wichtigsten Kriterien eindeutig.

Dieser Fall beschäftigte den jungen Arzt so stark, daß er ihn Wochen später, zum weiteren Studium nach Deutschland zurückgekehrt, im engeren Kollegenkreis zur Sprache brachte. Einer seiner Kommilitonen war ihm bis dahin immer recht verschlossen, humorlos und ganz auf die Arbeit versessen, kurz, nicht gerade sympathisch erschienen. Er war auch Jahre älter als die anderen und relativ spät in das Medizinstudium eingetreten. Nachdem er lange zu dem Bericht geschwiegen hatte, ergriff dieser das Wort, ihm seien ähnliche Fälle bekannt, und er hätte selbst ein entsprechendes Erlebnis hinter sich, das ihn völlig verwandelte und zum Medizinstudium brachte. Er schilderte kurz und fast trocken das Vorgefallene: Seine Freizeit gehörte dem Sport, vor allem dem Schwimmen, in welchem er an Jugendwettkämpfen teilnahm. Bis spät in den Herbst hinein legte er täglich mehrere Kilometer in der Oder zurück. Eines Tages erfaßte ihn mitten im Strom ein Krampf, der in den Beinen begann. Er wollte sich vor sich selbst keine Blöße geben und durchhalten. Als der Krampf auf den übrigen Körper überging war es zu spät, als daß er sich noch hätte ans Ufer retten können. Im vollen Bewußtsein, sterben zu müssen, sei er steif wie ein Brett untergegangen. Er könne sich noch wie durch einen Schleier erinnern, welche panische Angst ihn ergriff und wie ihn das Wasser abwürgte. Dann sei das plötzlich vorbei gewesen, und er meinte, das gleiche erlebt zu haben wie der beschriebene Kämpfer aus dem Kosovo. Worte gebe es dafür nicht.

Auch er habe, nachdem er gerettet und wieder zum Leben gebracht wurde, zunächst kaum weiterleben können und wollen und alles unwirklich und deprimierend empfunden. Angeblich seien über eine Stunde Wiederbelebungsversuche gemacht worden, bis Herzschlag und Atmung zurückkehrten. Eine Zeitlang bestand noch eine Herzmuskelschwäche. Allmählich habe er sich wieder mit seinem Dasein abfinden müssen. Das ganze Erleben, das ihn noch heute untergründig beschäftigte, brachte ihn auf die Fragen nach Leben, Krankheit und Tod. Er machte das Abitur und studierte Medizin. Er kenne auch einen ehemaligen Sportler der ehemaligen DDR, der das Gleiche wie er erlebt habe. Sie beide seien sich einig darin, daß sie wieder ertrinken wollten, wenn sie sich die Todesart wählen könnten. Früher hätten sie, wenn sie an eine solche Möglichkeit dachten, große Angst vor dem Tode gehabt. Die sei heute völlig weg. Man könne zwar nicht von Selbstmordgedanken bei ihm sprechen, aber wie eine stille Sehnsucht begleite ihn die Rückerinnerung an das Sterbeerleben schon.

Der Mann am Fenster erinnerte sich an diesen Kommilitonen genau und auch daran, daß er während seines eigenen Lungeninfarktes - noch unter Sauerstoff - wie aus Bruchstücken wieder erwacht war, deutlich ein Sträuben in ihm war, in das qualvolle Dasein zurückkehren zu sollen. Er wollte "wieder HINÜBER" - nicht wie in einem Traum, vielmehr war das Hier wie ein drückender Traum gegenüber einer wirklicheren, herrlichen WELT. -

Sicher, rein organisch engte die weiterbestehende Atemnot ein, aber er war klar genug, seinen zweiten Infarkt bewußt zu erleben: Am Anfang stand erneut der dolchstoßartige Schmerz, und sein Erschrecken ist ihm deutlich in Erinnerung. Aber schnell trat ein eher lustvolles Steigerungsgefühl hinzu, Schmerz, Ersticken und Bewußtseinsschwund möchten so schnell und vehement wie möglich überhandnehmen, damit er endlich "HINÜBER" darf.

Statt der Todesangst erlebte er eher eine Sucht.

Diesmal wird es wohl klappen!

Der Sog von der ANDEREN SEITE war ebenso stark wie der Drang, von hier wegzukommen.

Ergänzend sei vermerkt, daß - über noch längere Zeit bestehende, mit Sicherheit nicht auf einen Herzinfarkt, sondern auf den Sauerstoffmangel zurückzuführende krankhafte Veränderungen der elektrischen Herzstromkurven (EKG) - der Tod nicht nur psychisch, sondern auch organisch nach ihm griff.

Noch stärker als das erste Mal war die Enttäuschung, doch wieder im Hier und Jetzt landen zu müssen. Diese Empfindung ist untergründig geblieben; sie taucht nachts, in Träumen und in einsamen Meditationsstunden immer wieder stärker auf. Das hat nichts mit einer Depression oder gar mit Selbstmordideen zu tun. Im Gegenteil - scheint ihm das Sterben-"dürfen" in eine umgekehrte Richtung zu weisen, als könnte durch das aktive Handeln von hier aus das Angezogenwerden von DRÜBEN ausbleiben.

Die ihn bis zu dieser Krankheit fast ständig begleitende Furcht vor dem Sterben ist völlig verschwunden. Nicht die Behandlung Sterbender und die gedankliche Beschäftigung mit dem Sterbeerleben brachten diese Wandlung, sondern die konkrete Selbsterfahrung! – Diese ließ auch vieles, was er bisher über Tod und Sterben gelesen hatte, in einem neuen Licht erscheinen.

Nach der ersten Veröffentlichung seiner Selbsterfahrungen im Sterben, die in einer medizinischen Fachzeitschrift erfolgte, erhielt der bekannte Arzt viele Zuschriften von anderen Ärzten, die Bestätigungen und Ergänzungen enthielten. Sie machten aber auch deutlich, daß bei Medizinern weitgehend ein Widerstand besteht, sich mit diesem Problem eingehend zu befassen, denn die geschilderten Sterbeerlebnisse kommen viel häufiger vor, als man das zunächst meint. Sie sind keine Ausnahmen, sondern typisch! Wendet man sich an dienstältere Krankenschwestern, hört man mehr über sie berichtet als von Ärzten.

Freilich kommt dem angedeuteten ärztlichen Widerstand entgegen, daß die meisten Betroffenen einen Schleier über ihre Erlebnisse breiten, da ihnen "die Worte fehlen" und sie sich von Menschen, die nicht Ähnliches oder Gleiches erlebten, nicht verstanden fühlen, sich vor ihnen schämen als Schwärmer zu erscheinen. Um so wichtiger ist die Feststellung, daß die meisten ihm bekannten Patienten nicht tiefer religiöskirchlich gebunden waren, also sog. suggestive Einflüsse von dieser Seite nicht als wesentlicher Faktor zu berücksichtigen sind. Erst die moderne Medizin ermöglicht mehr Registrierungen des Sterbeerlebens, da immer mehr Menschen, die der Tod (bis weit ins Organische hinein) schon in den Klauen hielt, wieder ins Leben zurückgeholt werden. Das eindrücklichste Beispiel ist wohl (nach Dorozynski) der russische Nobelpreisträger Lew Landau, der mehrfach vom Tod zurückgehalten wurde.

Heute werden Registrierungen des Sterbeerlebens in anderer Weise möglich als früher. Dazu gehört allerdings, daß Ärzte die Feindschaft gegen das Sterbenmüssen zurückstecken, denn man darf kaum zugeben, daß Sterbendürfen ein erstrebenswertes Ziel sei. Besonders bei jungen Ärzten kann man beobachten, wie sie auch bei sehr alten Sterbenden bis zum letzten Atemzug mit allem therapeuthischen Rüstzeug um das Am-Leben-Bleiben kämpfen - und den dann doch eintretenden Tod wie eine Beleidigung aufnehmen.

Allerdings sterben auch heute noch die meisten Menschen, ohne ins Leben zurückgerufen zu werden und ohne klares Bewußtsein, manche sehr plötzlich, manche so eingeengt und abgebaut, daß das Sterbeerleben nicht auf einer Stufe vollzogen wird, die sich in Worte kleiden ließe. Ferner sorgt die Medizin dafür, daß die meisten Patienten, gerade wenn es auf das Ende zugeht, unter die stärksten Medikamente gesetzt werden. Sie sind dann ebenso wenig fähig, das Sterbeerleben bewußt zu registrieren oder gar zu schildern. Entscheidender ist die Frage: Wie weit können und dürfen Ärzte das Sterbeerleben manipulieren? - Es läge nahe, die vielen ihm bekannten Beispiele dahingehend zu interpretieren, daß sie zum Anlaß werden, möglichst viele Menschen einem ähnlichen Erleben zuzuführen. Zum Beispiel der Bericht der bekannten Sterbeforscherin Kübler-Ross. Als er damals die "Interviews mit Sterbenden" las, atmete er zunächst erleichtert auf, da hier die Verdrängung des Sterbens aufgehoben und - fast schonungslos - eine Methodik des Sterbens und der Sterbehilfe exerziert wird. Nach seinen eigenen Erfahrungen kommen ihm jedoch auch Bedenken, denn der Bericht repräsentiert nicht alle Formen des Sterbens. Zum zweiten sind fast alle Kranken der Autorin, selbst die im sog. letzten Stadium, noch so weit vom konkreten Sterben entfernt, so daß sie durchweg eine gewisse Hoffnung auf ein weiteres Leben (sei es über die Hilfe Gottes oder eines neuen Medikamentes) nicht aufgaben.

Als Arzt und Wissenschaftler bemühte er sich später die Eigenerfahrung im Sterben bei sich und bei anderen sorgfältiger zu bedenken. Aufgrund seiner Anordnungen wurden an den Krankenbetten der großen Klinik Sterbeforschungsprotokolle erstellt, die aber nur intern diskutiert wurden, aber nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt waren. Persönlich ging es Ihm darum, daß Sterben und Tod in ihrer Realität erfaßt und angenommen werden. Denn Sterben kann, sofern es bewußt mitvollzogen wird, das größte Erlebnis sein, wonach es schwer fällt, überhaupt ins materielle Leben zurückzukehren. Die Annäherung an das Umfassende und Absolute, die in Sterbeerfahrungen geschieht, besagt zwar noch nichts über das Totsein, doch läßt es ahnen, wie alles individuelle Denken und Sein erhoben wird weit über sich selbst hinaus in etwas UNBESCHREIBLICHES.

Es gibt Erlebnisse im Leben, über die zu reden oder zu schreiben man sich scheut. Daß er selbst diese Scheu im Hinblick auf seine Selbsterfahrung im Sterben überwand, verdankte er einem Kollegen, den er vor einem Jahr auf einem Fachseminar kennengelernt hatte. Seit dieser Zeit pflegen die beiden Männer ihre Bekanntschaft durch gelegentliche, gegenseitige Besuche.  

Als er so seinen Gedanken nachhing, bemerkte er, daß ein Wagen in die Auffahrt zum Haus einbog. Der Fahrer mußte ihn schon am Fenster stehend erblickt haben, denn die Lichthupe der schweren, dunklen Limousine blitzte mehrmals auf. Der schlanke Mann lächelte und stieß sich mit einem Ruck von der Fensterbrüstung ab und begab sich in das darunterliegende Erdgeschoß. Es dauerte nicht lange und die Glocke der Außentür läutete. Der Gastgeber (G) öffnete und begrüßte den Besucher (B) mit einem freudigen Hallo!

B : Meinen Dank für die Einladung. Dieses Mal ist die Weinbremse polizeilich. Ich kam mit dem Wagen. Das soll aber nicht heißen, daß ich gänzlich verzichte.

Lachend nahm der Gastgeber seinem Kollegen den Mantel ab und führte ihn in den großen, gemütlich eingerichteten Wohnraum. Im offenen Kamin flackerte ein helles Feuer und die Holzscheite knackten und prasselten. Der Besucher trat auf den Kamin zu und rieb sich seine Hände. Draußen war es kälter geworden und leichtes Schneetreiben hatte eingesetzt. - Die beiden Ärzte nahmen an einem kleinen Tisch in der Nähe des Kamins Platz, an dem zwei bequeme Sessel standen. Ein angenehmer Duft von frischem Holz und Harz lag in der Luft. Interessiert nahm der Gast die auf dem Tisch stehende Weinflasche in die Hand.

B : Schau an, wir kennen unsere Rebenrichtung, nicht wahr? Auch Käse und Brot liegen schon bereit. Und wieder die Edelzweige mit dem hübschen Krippenspiel! Ist das schon wieder so weit? - Carpe diem. Wir leben alle nicht intensiv genug. – Schau an, der Stern von Bethlehem! Die Aufhängeschnur ist kaum zu sehen… - aber ein Stern ohne Strahlenzacken? - Erstaunlich! - Sieht aus wie eine Scheibe, fast wie ein unbekanntes Flugobjekt.

G : Ei ei, ob mit oder ohne Wein, Sie sind doch immer am Ball, nicht wahr!

B : Nun machen Sie aber einen Punkt. Das sollte ein Scherz sein. Vor 2.000 Jahren schon unbekannte Flugobjekte. Ich bitte Sie! - Abwägend möchte ich allerdings einräumen, daß ein Stern nicht so einfach aus seiner Bahn heraus läuft, wie in der Bibel beschrieben. Eigenartig ist das schon. Sie wissen ja, die Astronomie und auch die Frage außerirdischen Lebens sind mein besonderes Steckenpferd. Man möge es mir nachsehen.

G : Wenn Sie schon damit anfangen, dann gehen wir doch noch einen Schritt weiter zurück. Denken Sie an die Übergabe der GESETZESTAFELN an Moses. Lesen Sie mal diese Stelle im Alten Testament nach und vergleichen Sie die damaligen äußeren Umstände mit dem heutigen Stand des Wissens, auch hinsichtlich der sog. Ufologie. So hat der Leiter der Moskauer Astronautenschule, Professor Felix Ziegel, ein Mann, der im Dialektischen Materialismus erzogen wurde, einmal vor einer Gruppe internationaler Journalisten erklärt: "Nach über 20jähriger Forschung bin ich nunmehr zur Überzeugung gekommen, daß die UFOs Sonden von anderen Planeten sind. Offensichtlich wollen sie unsere Terra erkunden." – Interessant ist auch, daß der 1979 verstorbene Kirchenrat Dr. Hutten, aus Stuttgart, seinerzeit den fliegenden Scheiben einen religiösen Akzent verlieh. Hutten war ein aufgeschlossener und mutiger Mann, er blickte über den Horizont seiner Amtsbrüder hinaus und hatte Gespür und Sinn für die Weite des Kosmos. Vielleicht inspiriert, vielleicht mediale Quellen. Wer weiß? Aber nicht nur das - und jetzt fallen Sie bitte nicht aufs Kreuz, mein Freund - nach meinen Informationen erfolgte die Zerstörung von Sodom und Gomorra auf Befehl des INFORMATORS, des großen PLANERS und SCHÖPFERS, den die Kirchen "GOTT" nennen. Diesen BEFEHL führten Besatzungen unbekannter Flugobjekte aus, die sog. CHERUBIM, SEINE 'Himmlischen Heerscharen'. Desgleichen teilten die CHERUBIM auf HÖHERE WEISUNG die Wassermassen des Roten Meeres, als die Israeliten hindurchzogen.

B : Dann sind die sog. CHERUBIM die Rechte Hand des INFORMATORS und SCHÖPFERS?

G : Soweit wir durch die medialen Aufzeichnungen der Forschungsberichte wissen, ja. Es paßt tatsächlich alles zusammen. Der Arbeitsbereich der CHERUBIM liegt allerdings nur im materiellen Anteil der Schöpfung. Mit dem GEISTIGEN REICH stehen sie zwar in enger telepathischer Verbindung, doch dieses REICH hat seine eigenen GESETZE.

B : Bisher wenig Wein und doch so viel Fantasie! Früher wäre Ihnen der Scheiterhaufen sicher gewesen, mein Lieber! Heute wird man Sie als Spinner belächeln. - Übrigens, seit wann lesen Sie die Bibel? - Und das in einer Zeit der Weltraumfahrt und der Mikroelektronik!

G : Bitte denken Sie an die Worte von Max Planck, daß Geist der Urgrund aller Materie ist. Nicht die sichtbare und vergängliche Materie ist das Reale und Wirkliche, sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist. - Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingungen bringt und sie zum winzigsten "Sonnensystem" des Atoms zusammenhält. Wenn man die Relationen Geist, Kraft, Materie durchschaut, dann liegt auch keine Überforderung des Bewußtseins mehr vor, nämlich zu begreifen, daß es Wesenheiten auf anderen Sternen geben könnte, die uns Erdenbürgern 10.000 Jahre und mehr in der technischen Entwicklung voraus sind. Vielleicht beherrschen solche Wesen die Materie durch ihren Geist, können sich und ihre Transportmittel dematerialisieren und auch rematerialisieren. Zeit und Entfernung spielen dann nur eine untergeordnete Rolle.

B : Nun ja, ich gebe zu, daß die Menschheit in den vergangenen Jahrzehnten dem Weltraum näher gerückt ist und auch reifer wurde für kosmische Vorgänge.

G : Eben - und somit kommen wir der Wahrheit näher. Was hat sich in Moses Gegenwart auf dem Berge Sinai ereignet? - Wer übergab die Sieben Gebote und Sieben Forderungen? - Wer hat Sodom und Gomorrha zerstört? - Wer flog den fliehenden Israeliten in der Wüste voraus, hat sie mit Manna versorgt und hat die Wasser des Roten Meeres geteilt? - Was der Stern von Bethlehem war und was er bedeutet? - Was jene Wolkensäule besagt, die anläßlich der Taufe CHRISTI im Jordan wie eine Taube vom Himmel herabschwebte? - Wie vollzog sich die Himmelfahrt? - Diese Phänomene ziehen sich hin bis zum 'Wunder von Fatima', über das von Außerirdischen, den sog. Santinern, ein genauer Bericht vorliegt. Solche Fragen beschäftigt manche unserer Physiker und Paraphysiker heutzutage mehr denn je. Ich kann Ihnen die folgenden Bücher empfehlen: "Der Geist der Materie" und "Tod wo ist Dein Stachel" von Jean E. Charon, Paul Zsolnay-Verlag, Wien-Hamburg. Ein über eine längere Zeit sich erstreckender Kontakt mit dem israelitischen Volk wird im 2. Buch Mose, Kap. 13 und folgende, einschließlich der Gesetzgebung auf dem Berge Sinai, ziemlich deutlich beschrieben. Beachten Sie die Bezeichnung "Wolke" und "Feuersäule". Auch bei Hesekiel, Daniel und im 2. Buch der Könige Kap. 2 finden Sie eindeutige Hinweise.

B : Wenn Sie die kleine rote Scheibe hier tatsächlich als ein UFO sehen möchten, so muß ich sagen: Fantastisch! Aber das setzt einen Fantasten voraus - und Sie sind keiner! Dafür kenne ich Sie. Auf der anderen Seite halten es mittlerweile einige Wissenschaftler für äußerst wahrscheinlich, daß es Außerirdische geben muß. Man schätzt, daß es im gesamten bisher bekannten Kosmos etwa 1020 erdähnliche Planeten gibt. Es sollen auch weitere Dimensionen existieren, außer den dreien, die wir mit unserem begrenzten Verstand wahrnehmen. Was meinen Sie dazu?

G : Natürlich ist es Irrsinn und jeder Logik widersprechend, zu meinen, daß wir Erdenmenschen als biologische Entitäten im Weltraum alleine seien, womöglich als "Krone der Schöpfung"! Nach wissenschaftlichen Schätzungen soll es allein in unserer Galaxis mindestens eine Milliarde Planeten geben, die Voraussetzungen für biologisches Leben bieten. - Seriösen psychotherapeutischen Berichten zufolge finden sich auch einige Menschen in hypnotischen Rückführungen auf anderen Planeten wieder. Andere bekommen Kontakt zu intelligenten Lebewesen anderer Sterne. Das Problem ist, man kann solche Erlebnisse in keiner Weise nachprüfen. Es ist nicht auszuschließen, daß einige solcher Erlebnisse fantastische Symbolerlebnisse sind. Nach meiner Meinung, mit Sicherheit nicht alle! Wir Menschen existieren wahrscheinlich nicht nur als biologische Entitäten, nach unserer üblichen dreidimensionalen Auffassung von "biologisch". - Die Physik rechnet in mathematischen Modellen mit einem mehrdimensionalen Universum, hat jedoch Mühe für wahr zu halten, womit sie selbst rechnet. Ohne Zweifel gibt es Wesen, die in weit mehr als in drei Dimensionen leben, auf die unsere menschlichen physischen Wahrnehmungsorgane beschränkt sind. Wir sind als Menschenseelen selbst solche Wesen! Wie sonst könnten wir weiterexistieren – mit einem "Ich", mit klarer Erinnerung an unsere verkörperten Vergangenheiten und immer noch bewußt agieren und handeln, aber von den wenigsten Verkörperten wahrnehmbar – wenn wir nicht mit dem Tode in andere Dimensionen überwechseln würden? Wir sind schon jetzt in jenen Dimensionen, wissen es aber nicht, weil unsere Sinnesorgane diese Dimensionen nicht wahrnehmen können. Wir werden uns aber nach dem Tode dessen wieder bewußt.

B : (Lacht) Jetzt fehlt nur noch, daß Sie mir mit Dogmen, Sakramenten und Liturgien kommen. Wir sollten lieber den Wein probieren!  

Der Gastgeber lachte leise und hob sein Glas. Der dunkle Rotwein funkelte, als die beiden Männer die Gläser ergriffen. Die leicht abgedimmte Raumbeleuchtung und das flackernde und knisternde Feuer im Kamin erzeugten eine anmutsvolle Atmosphäre, in dem sehr gediegen eingerichteten großen Wohnraum. Auf dem Sims des Kamins leuchteten die ersten Adventskerzen, deren Flammen sich leicht bewegten und flackernde Schatten auf das Mauerwerk des Kamins warfen. Der Gastgeber lehnte sich in seinem bequemen Sessel zurück und sagte:

G : Es wird Zeit, mein Lieber, daß wir mit alten Klischees aufräumen. Die Kirchenväter sind sich selber nicht einig: Einige wollten entmythologisieren, wie Bultmann, andere sind rasante Dogmenreiter auf konservativen Bahnen. Wie soll das werden? - Nur etwa sechs Prozent der Bundesbürger gehen noch regelmäßig zur Kirche. Insbesondere die jungen Priester merken kaum, daß die Kirchenbänke immer leerer werden. Zu durchgreifenden Reformen ist aber niemand bereit, denn dem Establishment in Kirche und Staat geht es in dem installierten Regime zu gut. Die heutige Jugend versteht diese Welt am allerwenigsten. - In den theologischen Fakultäten sollte man etwas mehr über Atomphysik und Biologie lehren, meinetwegen auch aus P. Jordans Buch "Der Naturwissenschaftler vor der religiösen Frage" oder aus ähnlichen Werken. Überzeugend und vor allem zweckmäßig wäre aber meines Erachtens das regelmäßige Aufsuchen von seriös arbeitenden medialen Arbeitskreisen. Nur dort kann durch mediale Techniken ein direkter Kontakt mit der so umstrittenen GEISTIGEN WELT aufgenommen werden. Obwohl dieses REICH nicht sichtbar ist, zeigen sich dennoch seine KRÄFTE z. B. durch die Stiftführung auf großen Papierbogen. Werden die Fragen klug gestellt, fallen die Antworten oft noch klüger aus. Sie lächeln? - Immerhin sind sie tolerant und ein angenehmer Zuhörer.

B : Nein, nein - bitte - ich möchte die Zusammenhänge verstehen! Wenn gerade Sie sich mit solchen Fragen beschäftigen, muß mehr dahinter stecken. Wie kommt das überhaupt, daß Sie diesen medialen Durchgaben Glauben schenken können?

G : Ich möchte Ihnen mit einer Parabel antworten: Ein Suchender kam zum Meister und klagte: "Meister, jeder Priester und Mönch preist mir seinen Glauben als den allein wahren an und verdammt den der anderen als falsch. Zweifel quälten mich. Ich weiß nicht, auf wessen Wort ich hören soll." Der Meister antwortete: "Deine Zweifel sind begründet. Höre meine Anweisung:

Sondern glaube:

Es gibt keine Endgültigkeit des Wissens, der Weisheit, des Verstehens oder der Wahrheit, denn alles ist immer in Bewegung. Diese Bewegung schafft neue Ziele, die wiederum neue Erkenntnisse zur Folge haben. Ein Endstadium der Allwissenheit gibt es nicht – nicht einmal für den HÖCHSTWISSENDEN, für GOTT.  

Nachdenklich nickte der Besucher mit dem Kopf und greift nach seinem Weinglas. Er nippte daran und sagt:

B : Haben Sie denn durch diese, für mich zwar immer noch sehr nebulöse, mediale Quelle mehr erfahren können? Sie wollten mir heute darüber berichten, warum Sie solche Botschaften annehmen können.

G : Ja, das habe ich und zwar eine ganze Menge. Wir bezeichnen beispielsweise das gesetzmäßige Verhalten der Zellen und Moleküle, sowie der Atome, als eine INFORMATION, die sie aus dem Universum erhalten. Die genaue Erforschung dieser INFORMATION ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, die Existenz eines genialen SCHÖPFERS nachzuweisen. Dann gibt es kein Ausweichen mehr vor der Feststellung, daß der große INFORMATOR im Universum ein BEWUSSTSEIN besitzt, und mit dieser Feststellung sind wir bei einem lebendigen GOTT. Dieser GOTT aber ist kein Mensch, sondern ein UNIVERSALES ZENTRALBEWUSSTSEIN. Für die bestehenden Welten ist ER das größte BEWUSSTSEIN, das es im ganzen All gibt. ER ist der INFORMATOR der gesamten Schöpfung, die SEIN ausgeführter WILLE ist.