Psychowissenschaftliche Grenzgebiete

     

Ein Tatsachenbericht von R. Reichenberger.
 
Titel: Heroischer Kinderglaube im gottlosen Regime
Verfasser: R. Reichenberger
Quelle: Entnommen aus: Wegbegleiter, Dezember 2003 VII. Jahrgang, Unabhängige Zeitschrift zur Wiederbesinnung auf das Wesentliche. Verlag Martin Weber, Fabrikstraße 1, D-77746 Schutterwald
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Wer die Schrecken der Religionsverfolgung in den ehemaligen Ostblockstaaten miterlebt hat, kann von erlebten Wundern berichten, über die man im rationalistischen Westen ungläubig lächelt.

"In dieser Hinsicht gleichen gewisse Katholiken bei euch im Westen unseren Kommunisten", sagte Pater Norbert. "Das Wunder, alles Wunderbare ärgert sie. Und dennoch antwortet Gott den Listen der Hölle mit Gaben, die an die Kirche der Apostel erinnern."

Als Zeuge der ungarischen Erhebung 1956 und einer der letzten, denen die Flucht gelang, trug sein von Leiden und Entbehrungen gezeichnetes Gesicht noch deutlich die Spuren schrecklichen Erlebens. Er wirkte verkrampft und voller Mißtrauen gegenüber dem westlichen Journalisten, der ihn im Flüchtlingslager zu einem Interview aufsuchte.

Einiges von vielen unglaublich klingenden Berichten, vom Widerstand gegen den antireligiösen Kampf der übermächtigen kommunistischen Partei enthält das Buch: "Die Ikone. Tatsachen aus der Kirche des Schweigens", von Maria Winowska (1960, Paulus-Verlag, Freiburg/Schweiz).

Im folgenden, gekürzt wiedergegebenen Tatsachenbericht, geht es um die heroische Haltung gottgläubiger Kinder (Orts- und Personennamen wurden geändert, da zu jener Zeit das Regime noch seine satanische Macht ausübte).

 

 

"Es geschah in Ungarn, wo die Wahrheit teuer zu stehen kommt, zum Preis des Blutes", erzählt Pater Norbert, "in einem Städtchen von rund 1.500 Einwohnern. Die Lehrerin der Gemeindeschule war kämpferische Atheistin. Ihr ganzer Unterricht entsprach einer der Hauptforderungen des Marxistischen Dialektischen Materialismus (DIAMAT):

Gott muß beseitigt werden!

Sie benutzte jede Gelegenheit, um unsere Religion zu verspotten. Mit allen Mitteln wollte sie den Gottglauben in den Herzen der Kinder zerstören. Die verschüchterten Kinder wagten nicht, sich zu verteidigen.

In der 4. Klasse A war ein Mädchen von zehn Jahren mit dem Namen Angela. Sehr begabt, war sie immer Klassenerste. Sie besaß ein goldenes Herz, war immer zu allen nett und hilfsbereit."

 

Eines Tages bat Angela den Pater, jeden Tag zur heiligen Kommunion gehen zu dürfen. Der Pater warnte sie vor möglichen unangenehmen Folgen für sie, aber sie erwiderte: "Sie verlangen von mir, daß ich allen ein gutes Beispiel gebe. Dazu brauche ich Kraft. Ich bin mutiger, wenn ich die Kommunion erhalten habe." So erhielt sie denn die erbetene Erlaubnis, aber von da an wurde ihr seitens der Lehrerin das Leben zur Hölle gemacht; auch wenn sie ihre Aufgaben noch so gut erledigte, wurde sie von ihr gescholten und geplagt. Das Kind hielt sich tapfer, wurde aber rasch bleicher.

"Ich war voller Bewunderung für solch eine Tapferkeit. Und nicht Angela beklagte sich, sondern ihre Klassengefährtinnen erzählten mir weinend, wie das Kind täglich schikaniert wurde. Da an den Aufgaben nichts auszusetzen war, versuchte die Lehrerin, den Gottglauben des Kindes ins Wanken zu bringen", erzählte Pater Norbert. "Die Gegner waren sehr ungleich. Angela fand keine Antworten auf die heftigen Angriffe der Lehrerin, die das Unterrichtsprogramm vergaß und vor den Schülerinnen den ganzen Wust der Gottlosenpropaganda ausbreitete. Das Kind stand mit gesenktem Haupt da und unterdrückte die Tränen.

Vom November an verwandelten sich die Schulstunden in der 4 A in scharfe Duelle zwischen der Lehrerin und dem zehnjährigen Mädchen. Voller Angst riefen mich die Mitschülerinnen um Hilfe.

Was sollte ich tun? - Die Lage noch verschlimmern? -

Gott sei Dank gab Angela nicht nach. Wir konnten nur noch beten, aus ganzem Herzen beten!

Die Geschichte wurde im Städtchen und in der Umgebung herumgeflüstert. Niemand tadelte mich, weil ich Angela das tägliche Kommunizieren erlaubt hatte."

Es war für niemand ein Geheimnis, daß die Lehrerin in diesem zarten Mädchen ein jedem Christen gehörendes Gut treffen wollte, das Gut des Gottglaubens. Selbst Angelas Eltern ermunterten die Kleine durchzuhalten.

Von einem Tag zum andern wurde sie zur Hauptperson der Gegend. Jedermann bewunderte ihren Mut! Sie allein war sich ihrer Tapferkeit nicht bewußt. Sie fühlte sich gedemütigt durch ihre Unfähigkeit, sich zu verteidigen und Beweise zur Rechtfertigung ihres Glaubens zu finden.

Kurz vor Weihnachten, am 17. Dezember, erfand die Lehrerin ein neues, grausames Spiel, das nach ihrer Auffassung dem alten Aberglauben, der die Schule 'verpestete', den Todesstoß versetzen sollte. Das Ereignis verdient in allen Einzelheiten wiedergegeben zu werden:

Angela war natürlich wieder der Angriffspunkt.

Die Lehrerin befragte sie mit süßer Stimme:

"Höre, mein Kind, wenn die Eltern dich rufen, was machst du?'

"Ich gehorche", erwiderte Angela schüchtern.

"Gewiß, du hörst sie rufen, und du gehst rasch zu ihnen, wie ein braves folgsames Kind.

Und was geschieht, wenn die Eltern den Kaminfeger rufen?"

"Der kommt", antwortete Angela. Ihr Herz schlug zum Brechen; sie ahnte eine Falle, doch erkannte sie sie nicht.

"Gut, mein Kind, der Kaminfeger kommt, weil er existiert!"

Einen Augenblick herrschte Schweigen.

"Du gehst hin, weil du da bist, weil du existierst!

Aber nehmen wir an, daß deine Eltern den Großvater rufen, der gestorben ist. Wird er kommen?"

"Nein, ich glaube nicht."

"Bravo! - Und wenn sie Rübezahl rufen? Oder Rotkäppchen? Oder den Gestiefelten Kater?

Du hast Märchen gern, nicht wahr? Was geschieht dann?"

"Niemand wird kommen, denn das sind Erfindungen."

Angela hob ihren hellen Blick, senkte ihn aber sogleich wieder.

"Ihre Augen taten mir weh", erklärte sie später dem Pater.

Die Befragung ging weiter:

"Sehr gut, sehr gut!" triumphierte die Lehrerin. "Wirklich, dein Denken macht Fortschritte. Ihr seht also, Kinder, daß die Lebenden, die, welche existieren, auf den Ruf kommen. Jene aber kommen nicht, die nicht leben oder die aufgehört haben zu leben. Ist das klar?"

"Ja", antwortete die ganze Klasse.

"Gut, jetzt machen wir ein kleines Experiment."

Sie wandte sich an Angela.

"Geh vor die Tür, mein Kind!"

Das Mädchen verließ zögernd die Bank. Die Tür schloß sich schwer hinter der zarten Gestalt.

"Und jetzt, Kinder, ruft sie herbei!"

"Angela, Angela!" schrieen die Kinderstimmen aus Leibeskräften.

Angela trat ein, mehr und mehr bekümmert.

Die Lehrerin genoß die erzielte Wirkung. Die Kinder waren geneigt, an ein Spiel zu glauben.

"Haben wir nun alle verstanden?", fragte sie. "Wenn ihr einen Menschen ruft, der existiert, so kommt er. Wenn ihr jemanden ruft, der nicht vorhanden ist, so kommt er nicht, weil er nicht kommen kann. Angela besteht aus Fleisch und Blut, sie lebt, sie hört; wenn man sie ruft, kommt sie. - Nehmen wir nun an, ihr ruft das Jesuskind herbei. Glaubt jemand von euch noch an das Jesuskind?"

Einige der Kinder antworteten schüchtern: "Ja".

"Und du, mein Kind, glaubst du, daß das Jesuskind dich hört, wenn du es rufst?"

Angela fühlte sich erleichtert. Das war die Falle!

Sie erwiderte mit tiefer Überzeugung: "Ja, ich glaube, daß es mich hört."

"Gut, sehr gut! Wir werden das nun untersuchen.

Ihr habt gesehen, wie Angela hereingekommen ist, als wir sie riefen.

Wenn das Jesuskind existiert, so hört es euren Ruf.

Ruft also alle zusammen, so stark ihr könnt: Komm, Jesuskind, komm!

Alle zusammen, eins, zwei, drei!"

Die Mädchen senkten die Köpfe.

Im angstvollen Schweigen ertönte ein teuflisches Lachen: "Genau auf das habe ich hingezielt! Das ist der Beweis! Ihr wagt nicht, es herzurufen, weil ihr nur zu gut wißt, daß euer Jesuskind nicht kommen wird. Es hört euch nicht, weil es ebenso wenig existiert wie Rübezahl oder der Gestiefelte Kater! Weil es eine Erfindung ist, ein Märchen, das niemand ernst nimmt, nicht wahr?"

Die Kinder waren entsetzt. Keines sagte ein Wort. Das grobe, plumpe Vorgehen traf sie mitten ins Herz. Angela blieb stehen, bleich wie eine Tote. - Die Lehrerin freute sich an der Verwirrung der Mädchen.

Plötzlich geschah etwas völlig Unerwartetes.

Mit einem Sprung stand Angela mitten unter den Schülerinnen. Mit glühenden Augen rief sie aus: "Wir wollen es herbeirufen. Versteht ihr mich? Alle zusammen: Komm, Jesuskind"!

Im Nu erhoben sich die Mädchen. Mit gefalteten Händen und flehenden Blicken, die Herzen voll unendlicher Hoffnung, begannen sie zu bitten: "Komm, Jesuskind! Komm, Jesuskind!"

Die Lehrerin war überrascht. Unbewußt trat sie etwas zurück und heftete ihren Blick auf Angela. Ein paar Sekunden herrschte dumpfes Schweigen.

Dann erklang das helle, kristallene Stimmchen von neuem: "Noch einmal, noch einmal!"

Der Pater bemerkt: "Wir schrieen als müßten wir Mauern umwerfen", sagte mir eines der Mädchen. Angst, im Augenblick bezwungener, aber zum Weiternagen bereiter Zweifel, das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das unter dem Impuls einer Kameradin, die sich als Führerin offenbarte, aufgeweckt worden war, alles das wirkte zusammen: es fehlte nur die Erwartung eines Wunders. 'Ich rief, aber ich erwartete nichts Ungewöhnliches', gestand mir eines der Kinder."

 

Und da geschah es.

Die Mädchen blickten nicht auf die Tür; sie schauten auf die gegenüberliegende Wand, und an der weißen Wand auf Angela.

Die Tür aber öffnete sich lautlos…

Sie bemerkten es, denn das ganze Tageslicht strömte zur Türe hin. Das Licht wurde stärker und stärker und verwandelte sich in eine feurige Kugel. Da bekamen die Kinder Angst, aber alles vollzog sich so rasch, daß sie nicht Zeit fanden zu schreien.

Die Kugel öffnete sich, ein Kind erschien darin, schön, wie sie noch keines gesehen hatten. Das Kind lächelte ihnen zu, ohne ein Wort zu sagen. Die Kinder empfanden keine Angst mehr, es herrschte nur noch Freude! Es dauerte... einen Augenblick..., eine Viertelstunde... oder noch länger? - Sonderbar, darüber gingen die Aussagen auseinander. Tatsache ist, daß das Ereignis die Dauer der Schulstunde nicht überschritt.

Das Kind war "weiß gekleidet und glich einer kleinen Sonne. Es hat das Licht hervorgebracht" (d. h. das Licht ging von der Erscheinung selbst aus). "Das Tageslicht erschien wie schwarz daneben." Einige Mädchen waren geblendet, ihnen schmerzten die Augen. Andere betrachteten die Erscheinung des Kindes unbehindert. Dann verschwand es in der Lichtkugel, die "langsam, langsam schmolz". - Die Mädchen, von Freude überflutet, vermochten kein Wort hervorzubringen...

Plötzlich zerriß ein greller Schrei die Stille.

Fahl, die Augen traten ihr aus den Höhlen, rief die Lehrerin: "Es ist gekommen! - Es ist gekommen!" Darauf floh sie aus dem Raum und schlug die Tür hinter sich zu.

Angela schien wie aus einem Traum zu erwachen. Sie sagte nur: "Seht ihr, es hat uns gehört! Und jetzt wollen wir danken!" – Alle knieten nieder und beteten ein Vaterunser, ein AveMaria und ein Gloria. Dann verließen sie das Klassenzimmer, denn es läutete zur Pause.

Pater Norbert ergänzt: "Das Ereignis wurde natürlich bekannt. Ich befragte die Kinder einzeln. Ich darf unter Eid erklären, daß ich in ihren Aussagen nicht den geringsten Widerspruch gefunden habe."

Die Lehrerin mußte in eine Irrenanstalt gebracht werden. Pater Norbert versuchte mehrmals, sie zu besuchen. Priestern wurde jedoch der Zutritt verweigert.

Angela beendete die Schule.

Als ältestes Kind einer großen Familie wurde sie zur Stütze ihrer Mutter.

 

Die Begebenheit selbst spielte sich im Rahmen des Gewahrwerdens einer höheren Realität ab. Mit Massenhalluzination oder unbewußter Selbsthypnose hat das Geschehen absolut nichts zu tun. Jene feurige Lichtkugel war das Ergebnis eines ENERGIE-Verdichtungsprozesses, welcher die Erscheinung des Jesuskindes ermöglichte. Es würde zu weit führen, das Phänomen der Licht- oder Feuerkugelerscheinungen - vom Erfahrungswissen her - näher zu erläutern. Und es wäre vergebliche Liebesmühe, Besserwissern klarmachen zu wollen, daß es reale Welten gibt, die für unsere Sinne zwar nicht wahrnehmbar, aber dennoch vorhanden sind.

Die schrecklichen Christenverfolgungen in kommunistischen Staaten wurden von westlichen Massenmedien weitgehend verschwiegen. Warum? - Und weshalb hört man jetzt fast nichts über die Christenverfolgungen in muslimischen Ländern? Ist den christlichen Kirchen das Leiden ihrer Glaubensgeschwister völlig egal?

Alexander Jakowlew, Vorsitzender der Moskauer Regierungskommission zur Rehabilitierung der Opfer politischer Unterdrückung, gab bekannt, daß zwischen 1917 und 1985 rund 200.000 Geistliche umgebracht und etwa 300.000 in Zwangsarbeitslager verbracht wurden. Er sagte: "Die Tatsachen beeindruckten mich auf schreckliche Art und Weise. Popen und Mönche wurden an Kirchentüren gekreuzigt, erschossen, stranguliert, und im Winter solange mit Wasser übergossen, bis sie zu Eissäulen erstarrt waren."

In einem Kommentar hierzu heißt es: "Lenin, der rote Zar, hat mehr Blut zu verantworten, als überhaupt vorstellbar ist. Vor seinem Tod hat er Tisch und Stühle für seine Untaten um Vergebung angefleht."

Stalin sagte 1928 auf einem atheistischen Kongreß: "Gebt mir einige Jahre Zeit, und ich zeige euch den letzten Christen!"

Und jetzt?

Jetzt wird auch in den Weiten Rußlands wieder das Weihnachtsfest gefeiert...

 

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