Psychowissenschaftliche Grenzgebiete
     

 
Titel: Interview mit Professor Dr. Dr. Klaus Engel, Westfälische Klinik für Psychiatrie, Dortmund
Zum Thema:
Meditation, der Königsweg seelischer Vertiefung des neuen Jahrhunderts
Klaus Engel ist Arzt und Psychologe und liest an der Universität Bochum.
Entnommen aus:

Die Andere Realität", wissenschaftliche Zeitung für Parapsychologie, bodenständige Esoterik und spirituelle Ökologie, vom 01. November 1996.

Verfasser: Dieter Wiergowski (Dipl. Päd.) und Chefredakteur der o.a. Zeitung.
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(Referate & Berichte)
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Der Anlaß, warum ich ein Gespräch mit dem Arzt und Psychologen Prof. Dr. Dr. Engel suchte, war sein neu erschienenes Buch über Meditation. Immer mehr Menschen erkennen, daß es wichtig ist, an der Wurzel zu arbeiten, wenn man auch in der äußeren Welt Probleme, die es gibt, lösen möchte. Natürlich fehlt es hier noch an systematischer Forschung. Mit dem vorliegenden Buch, so denke ich, haben wir einen guten Ansatz, um wirklich systematisch die Arbeit am menschlichen Bewußtsein in den Vordergrund rücken zu können. Dies auch mit solide empirisch wissenschaftlichen Forschungsergebnissen. Hier liegt einfach die Zukunft. Das folgende Interview gibt diesbezüglich weitere interessante Aufschlüsse.

 

D. W. : Sind Sie der Ansicht, daß Meditationsformen herauslösbar sind aus ihrem weltanschaulichen Zusammenhang?

Prof. Engel : Was zur Zeit in der Meditationsforschung gearbeitet wird, ist zum Teil in der Tat herausgelöst aus dem religiösen Umfeld. Ich sehe dies als eine Pro- und Kontra-Situation.

Lassen Sie mich einmal mit dem Pro beginnen. Ich glaube der Vorteil ist, daß in dieser Weise Menschen erreicht werden, die sich mit gewissen Hintergrundthemen, die man Glaubensformen nennen könnte, schwer tun. Viele Christen zum Beispiel kommen an Kontemplationsformen nicht heran, weil sie sich mit den kirchlichen Dogmen schwer tun. Das gilt auch für gewisse indische Formen: Es gibt dort Menschen, die sich mit dem Reinkarnationsgedanken schwer tun usw. Ich sehe es daher als Vorteil, wenn Meditation, sagen wir einmal, nicht "überfrachtet" wird. Das einmal auf der Plus-Seite.

Der Nachteil ist aber eben mindestens so groß. Ich glaube auf der anderen Seite daran, daß es enorm wichtig ist, eine Meditationsform in einem Kontext zu haben. In einem sozialen und in einem Glaubenssystem. Insbesondere weil wir dazu neigen, besondere Erfahrungen ins Pathologische zu drücken. Manche Vertreter spiritueller Richtungen hatten in ihrer Jugend oder in ihrer Kindheit schon frühe spirituelle Erfahrungen. Hier, in unserem Bereich, würde man in so einem Falle einfach einen Psychiater hinzuziehen und eine Diagnose stellen. Während in einem religiösen Umfeld das Ganze eher geheiligt wird. Zum Beispiel fragt die Mutter Poonjajis, als dieser als Kind einen Ausnahmezustand hatte: "Hast Du Krishna gesehen?" In dieser Weise wird ein solches Erlebnis natürlich ganz anders interpretiert. Das finde ich enorm wichtig.

Darum möchte ich persönlich nicht entscheiden, was Ihre Frage betreffend bekömmlicher ist: Die Herauslösung der Meditation oder die Meditation eingebunden in ihrem Umfeld. Irgendwo ist wichtig, daß wir nicht erst große Hürden überspringen müssen. Zur Zeit fahre ich öfter zum Johannes Kopp, das ist ein christlicher Pater, der Zen unterrichtet. Sie kennen ja auch von Ihrem Kongreß her Pater Williges Jäger. Beide bemühen sich, christliche Ansichten zunächst einmal zurückzustellen, um Meditation zugänglich zu machen.
 
 

D. W. : Was ist mit Meditation erreichbar? Wie würden Sie ihren Stellenwert in der Gesellschaft einordnen?

Prof. Engel : Für den Einzelnen ist es der zentrale Weg. Es ist eben möglich, in die eigene Tiefe zu kommen oder wie Sie es sagen würden in "DIE ANDERE REALITÄT" oder ob wir dies ein Einswerden mit Gott nennen. Ich würde es als die erste und letzte Wahrheit betrachten, als Schlüssel für viele andere Dinge.

Es gibt Meditationsgruppierungen. Ich denke hier beispielsweise an Sri Aurobindo mit Auroville, dort besteht sehr starker Bezug zur Umwelt. Dann gibt es andere, die mehr den Weg ausschließlich nach Innen suchen, ohne sich um soziale Dinge zu kümmern. Auf der andere Seite gibt es auch beispielsweise Untersuchungen, was Meditation für die Gesundheit bringen kann. Hier hat z. B. die Transzendentale Meditation (TM) sehr beeindruckende Forschungen geleistet, die ich in dem Buch dargestellt habe.
 
 

D. W. : Wenn ich recht verstanden habe, versuchen Sie die Effektivität von Meditationsformen objektivierbar zu machen? Das beinhaltet ja, daß irgendwo eine Wertung stattfinden muß. Sie werden also Meditationsarten prüfen und in dieser Weise die effektivste herausfinden. Sehe ich das richtig?

Prof. Engel : Wenn wir das ein bißchen relativieren die effektivste Form für einen Menschen. Ich glaube nicht, daß wir an sich sagen können 'dies ist für alle die Beste', 'diese oder jene ist für alle die Beste'. Sondern die Frage der Zukunft wird sein 'Was ist für wen gut?' Der Bhakti-Ansatz, also der Weg der Verehrung, ist sicherlich für den einen besser, während auf der anderen Seite der Karma- oder Arbeitsansatz für einen anderen viel besser geeignet ist. Für den nächsten ist vielleicht eine rein vertiefende Meditation gut. Darum finde ich ja das Yoga-System gut, weil es einfach mehrere Ansätze hat und nicht wertet. Was für wen gut ist, das ist noch viel zu wenig geklärt.
 
 

D. W. : Wie können Sie hier, in der psychiatrischen Klinik, die Meditation einsetzen?

Prof. Engel : Könnte ich, aber mache ich noch nicht. Aus politischen Gründen da muß eben auch das Umfeld stimmen. Die gesamte Ideologie muß in einer Klinik übereinstimmen. Nur dann ist so etwas möglich. Wenn ich hier sagen würde, ich biete eine Entspannungstechnik an, das würde noch toleriert werden. Leider ist die Medizin und Psychotherapie doch sehr von Ideologien beherrscht.  
 
 

D. W. : Wie sehen sie die Tendenz? Wie lange wird es noch dauern, bis Meditation allgemein akzeptiert wird?

Prof. Engel : Das dauert noch ein paar Jahre. So wie die Traumdeutung in diesem Jahrhundert der Königsweg war, so wird im nächsten Jahrhundert die Meditation der Königsweg. Das setzt sich überall durch, auch im empirischen Bereich. Wir haben schon eine ganze Reihe von empirischen Untersuchungen. In der Klinik dauert es noch. Aber es wird der zentrale Ansatz werden. Da bin ich fest von überzeugt. Und um das durchzusetzen, brauchen wir empirische Arbeiten.

Die Analyse damals hat sich in einer ganz einfachen Weise durchgesetzt. Wir haben zum Beispiel nachgewiesen, daß die Arbeitsfehltage und Krankenhaustage vor einer Behandlung mehr sind als danach. Das heißt, der Staat und die Kassen sparen. So wurde die Analyse als anerkannte Behandlungsmethode durchgesetzt. Auf diesem Gebiet hier gehen einige Arbeiten der TM genau in diese Richtung. Wenn wir hier die Effektivität nachweisen können - die Kassen interessieren sich zunächst einmal für Geld - dann setzt sich die Meditation überall durch. Wenn wir nachweisen können, es hilft, es wirkt und es spart Geld - dann wird die Akzeptanz steigen.
 
 

D. W. : Welche Meditationsform praktizieren Sie?

Prof. Engel : Ich habe lange TM gemacht. Jetzt würde ich sagen, das Zentrum ist Zen. Das mache ich regelmäßig pro Tag.
 
 

D. W. : Wie kommt es, daß viele Menschen, die eine Meditationsform praktiziert haben und hier auch sehr intensive und schöne Erlebnisse hatten, diese wieder abbrechen?

Prof. Engel : Ich unterscheide hier zwischen Vermutungen und empirischen Untersuchungen. Bisher haben wir nur empirische Untersuchungen darüber, wieviele abbrechen. Persönlich scheinen mir zwei Faktoren für einen Abbruch verantwortlich: Zum einen die Angst, zum zweiten der Ärger. Zum einen eine passive Art der Opposition des Widerstandes, zum anderen eine aktive Art. Es sind in der Regel Dinge, die sich in den Weg stellen, so daß man meint, man könne nur mit Abbruch reagieren. In solchen Dingen sind Lehrer sehr wichtig, die einem gewisse Wege weisen und Anleitungen geben können.

Ich erzähle gerne oft folgende Geschichte: Buddha war ja ein Einzelgänger und irgendwann einmal fragte ihn sein Lieblingsjünger Arnando: Ist es richtig, daß gute Freunde zu haben der halbe meditative Weg bedeutet? Da sagte Buddha: Sage das nicht, Arnando, sage das nicht es ist der ganze Weg. Jemand, der also so für den Einzelweg plädierte wie Buddha, erkennt wie wichtig Freunde sind. Natürlich muß jeder die Arbeit machen. Aber bei der Meditationsbetreuung verhält es sich nicht sehr unterschiedlich wie im Leben. Die Schwierigkeiten bei der Meditation bekommen im Prinzip meist die Einzelgänger. Dies ist vielleicht ein bißchen übertrieben. Bei Schwierigkeiten sollte man sich an einen erfahrenen Lehrer wenden, zu dem man Vertrauen hat.
 
 

D. W. : Hier haben wir natürlich auch eine Schwierigkeit. Es gibt mittlerweile so viele Sekten, die viele wichtige Prinzipien, die zum spirituellen Wachstum führen, meiner Ansicht nach nicht einhalten. - Sie betonten die Wichtigkeit eines Lehrers. Wie kann man den richtigen Lehrer finden, ohne in die Gefahr zu geraten, in eine gefährliche Gruppierung zu gelangen?

Prof. Engel : Ich selbst bin durch meine Vorgeschichte sehr auf empirische Arbeiten eingestellt. Ich glaube, je mehr es gelingt objektiveren zu können: 'Was ist eigentlich ein guter Lehrer?' 'Welche Qualitäten muß er haben?' 'Wann ist es ein Erleuchteter und wann ist es ein Scharlatan?' Je eher wir das präzisieren können, können wir auch sagen: Das ist eine Richtung, die eher förderlich ist und jenes ist eine Richtung, die eher behindert. In der Tradition war es so, daß Schüler im Prinzip gar nicht so darauf hörten, was ein Lehrer sagte, sondern sie sind mit ihm wochen- oder monatelang umhergezogen und haben ihn einfach beobachtet. Wie ist sein Leben? Wie ist er in seinem Ego? Wie selbstlos ist er? Nicht was er sagt das können wir immer nur glauben. Wenn man das noch ein bißchen mehr präzisiert, dann können wir auch Scharlatane von Hilfreichen unterscheiden.

Aufgrund meiner Erfahrungen habe ich festgestellt, daß sich die hilfreichen Lehrer gar nicht so sehr unterscheiden. Eine wichtige Angelegenheit ist, daß im Prinzip nichts geheimgehalten werden muß. Ein fortgeschrittener Lehrer hat nichts zu verbergen. Zu den großen meditativen Gestalten konnte kommen wer wollte. Es kann eben einfach nicht jeder den Anspruch erheben, daß er ein Erleuchteter ist. Hier müssen wir wirklich Kriterien festsetzen wie es auch im Buddhismus bereits der Fall ist wie wir die Spreu vom Weizen trennen. Man kann ruhig die Lehrer testen. Wenn Sie jemanden, einen Lehrer zum Beispiel, scharf ansprechen und sie merken, er wird sehr negativ emotional dann ist es sicherlich kein sehr weit fortgeschrittener.
 
 

D. W. : Man sollte einen Lehrer also sehr hart prüfen?

Prof. Engel : Ja das würde ich auf jeden Fall so sagen. Gerade in der Situation, wo wir auch sehr hohen Mißbrauch haben.
 
 

D. W. : Es gibt ja unterschiedliche Richtungen, wie Erleuchtung erlangt werden kann. Auf der einen Seite kann man durch Meditation per Abschottung von der Welt Erleuchtung erlangen, auf der andere Seite ebenfalls in der Zuwendung zur Welt und im Tun für andere. Würden Sie meinen, daß das Gefühl, das am Ende von beiden Wegen erhalten wird, ähnlich ist oder sind hier gravierende Unterschiede?

Prof. Engel : Ich bin nicht am Ziel, also kann ich darüber nur spekulieren. Oder ich kann zitieren. Ich denke, daß die verschiedenen Wege zum gleichen Ziel führen. Mehr anderen helfen und damit sich - oder mehr sich helfen und damit dem Anderen - das sind die parallellaufenden Wege. Die einen gehen nach Innen und entdecken in dieser Weise die Überwindung der Subjekt-Objekt-Spaltung, oder man kann auch sagen, es geht um die Freimachung vom Ego, so daß es kein Du und kein Ich mehr gibt, - oder eben den äußeren Weg, wo Sie dasselbe finden. Welchen Weg Sie gehen, das hängt zum einen vom Individuum selber ab. Am Ende ist es egal, ob Sie das Du aufwerten oder ob Sie das Ich abwerten. Ob Sie einen introvertierten oder extrovertierten Weg gehen, das hängt vom Typ ab. Das Ziel ist dasselbe.
 
 

D. W. : Obwohl manche Schulen das Ziel ja anders deklarieren. Manche sagen, daß das Endziel ein Glückszustand ist und andere sagen, daß gar kein Gefühl mehr vorhanden sein wird. Dieses Ziel scheint mir im Prinzip völlig unterschiedlich oder?

Prof. Engel : Wenn man genau hinsieht, ist es gar nicht so unterschiedlich. Man muß sich ansehen, was da unter Gefühl verstanden wird bzw. unter Abwesenheit des Gefühls. Die weit vorangeschrittenen Lehrer innerhalb einer Religion würden sicher dem Gedanken nicht widersprechen, daß auch Gefühl irgendwann einmal zu transzendieren ist. Aber eben nicht am Anfang. Das ist der Grund, warum die Wege gut beschrieben sein müssen. Wann ist was für wen dran? Wir haben ganz unterschiedliche Stadien des Erlebens. In bestimmten Wegabschnitten können Sie vor Glück kaum noch sprechen, dann gibt es beruhigtere Formen. Ich glaube nicht, daß das Ziel so unterschiedlich ist.
 
 

D. W. : Sie schreiben in Ihrem Buch, daß es einige Vertreter ihrer Meditationsform glaubwürdig machen können, daß sie den angegebenen Endzustand erreicht haben. Bei anderen Meditationsrichtungen sieht es wohl so aus, daß das Ziel noch niemand erreicht hat und es offen ist, ob es überhaupt erreichbar ist. Wie kommen wir zu einer Überprüfbarkeit, ob jemand das angegebene Ziel erreicht hat oder nicht? Wie glaubwürdig sind die Antworten von Fragebögen, die ja bei der systematischen Untersuchung von Meditationszuständen auch eine wichtige Rolle spielen?

Prof. Engel : Ich darf Ihnen wieder eine kleine Geschichte erzählen: Ein Bischof wurde gebeten, einen christlichen Mönch zu beurteilen. Er hat nicht viel gefragt, sondern er hat sich ganz einfach angezogen und machte sich auf zu dem Kloster dieses Mönches. Hier beobachtete er ihn einfach. Wie ging der Betreffende mit Menschen um? Wie ist er ihnen begegnet, wie liebevoll war seine Ausstrahlung? Also, in den Traditionen hat man immer genau hingesehen. Sicherlich ist im Moment auch per Fragebogen einiges festzustellen, da man davon ausgehen kann, daß mit einer gewissen Glaubwürdigkeit diese Bögen ausgefüllt sind. Auf der anderen Seite haben wir natürlich den großen Zugang der systematischen Beobachtung.

In den Sozialwissenschaften haben wir hier ausgefeilte Beobachtungssysteme, die in der Meditationsforschung bisher überhaupt noch nicht genutzt werden. Zum Beispiel Videokamera, mit Tonband, mit Sprachanalyse etc. Und wir haben das breite Gebiet der physiologischen Messungen. Jemand der angibt, Sammadhi zu erleben, wird gewisse körperliche Phänomene aufweisen. Sie haben ja nichts zu verbergen. Wenn wir also die subjektiven Beobachtungen, sprich Fragebögen, die objektive Beobachtung und auch die physiologische Forschung einbeziehen, hätten wir schon drei Kriterien, die mir jetzt spontan einfallen.
 
 

D. W. : Wer kann das bewerkstelligen? Wer sollte sich darum kümmern? Ich meine, das wäre ja wirklich die effektivste Art und Weise, wie auf der einen Seite Scharlatane ausgegrenzt werden können und zum zweiten eine effektive Möglichkeit für Menschen herauszufinden, welchen Weg sie gehen können. Zwei Fliegen würden praktisch mit einer Klappe geschlagen.

Prof. Engel : Erst einmal glaube ich, daß sich die Scharlatane sowieso von selbst erledigen. Sie können das Ganze über einen längeren Zeitraum nicht aufrechterhalten. Insofern würde ich denen auch gar nicht so viel Beachtung schenken. Obwohl sie zeitweilig natürlich eine Menge Schaden anrichten können. Viel wichtiger wäre etwas anderes. Die Zeit ist allerdings noch nicht ganz reif. Das systematische Vorgehen wird sich von selbst durchsetzen. Nehmen wir einmal an ich bin ein Verhaltenstherapeut und habe Erfolge mit der Meditation, dann werbe ich natürlich dafür. Dann werde ich mich auch darstellen und das publik machen. Wenn das eine echte Hilfe ist... Oder wenn ich Analytiker bin und ich glaube mit der Analyse kann ich jemandem etwas Gutes tun, dann stelle ich dies öffentlich dar.
 
 

D. W. : Sie meinen, es entwickelt sich von selbst?

Prof. Engel : Ja. Die TM hat da doch eine gute Vorreiter-Funktion. Von der Methodik her versuchen sie Dinge zu objektiveren. Das ist doch ein ganz guter Weg. Auch im Zen werden Methoden entwickelt wir haben doch nichts zu verbergen. Wenn ich mal einen Vergleich wagen darf: Über Jahrhunderte hatten wir die Astrologie. Hatten wir immer, werden wir auch immer haben. Später entwickelte sich dann eine Astronomie. Wenn wir heute zum Mond fliegen wollen, kommen wir alleine mit der Astrologie nicht aus. In der Astronomie müssen Gesetzmäßigkeiten formuliert werden, die für ein solches Vorhaben unbedingt nötig sind.

Warum sollte das nicht auch für das gelten, was Sie "DIE ANDERE REALITÄT" nennen? Wir müssen eben die Gesetzmäßigkeiten formulieren. Was sind die Ausgangsbedingungen? Was sind die Durchführungsbedingungen und welches ist das Ziel? Ich glaube daran, daß wir aus den reinen Zufallsbefunden zu einem systematischen Ansatz kommen.
 
 

D. W. : Da haben Sie mit Ihrem Buch "Meditation Geschichte Systematik Forschung Theorie" ja schon eine wesentliche Grundarbeit geleistet.

Prof. Engel : Vielleicht ist dies ein kleiner Beitrag. Die großen meditativen Gestalten sind sozusagen Naturtalente. Sie haben meistens in der Kindheit, ob Sie da Sri Chinmoi nehmen oder andere, schon tiefe meditative Erfahrungen gemacht und bauen das dann aus. In der Musik wäre das so ein Mozart. Mit drei Jahren konnte er schon eine Symphonie nach Gehör niederschreiben. Der systematische Zugang in der Meditation, das beständige Üben, wird dagegen weiter an Bedeutung gewinnen.
 
 

D. W. : Ich möchte noch einmal auf den Stellenwert der Meditation eingehen. Wir haben ja viele Probleme in der Welt. Angefangen von Ausländerhaß über Drogenproblematik über die vielen Ehescheidungen und und und. Nehmen wir einmal an, alle Menschen werden in die Meditation eingeführt. Würden Sie meinen, daß die gerade genannten Problematiken und viele nichtgenannte nicht mehr so in dem Maße auftauchen würden?

Prof. Engel : Natürlich gehe ich davon aus. Sie haben ein paar Beispiele genannt, auch Umweltverhalten gehört natürlich dazu.
 
 

D. W. : Würden Sie das als die Arbeit an der Wurzel ansehen?

Prof. Engel : Ja, so könnte man das sagen. Der christliche Meditationslehrer, zu dem ich oft gehe, Johannes Kopp, nennt sein gesamtes Programm "Leben aus der Mitte". Die eigene Mitte finden, das finde ich eigentlich einen schönen Ausdruck, der den Sachverhalt trifft. Viele haben andere Vokabeln gewählt. Ein Mensch, der zentriert ist und sich nicht mehr nur in seinen egoistischen Tendenzen befindet, der wird eben manches anders machen.
 
 

D. W. : Wenn man diesen Faden mal ein bißchen weiterverfolgen würde, wäre das ein idealer Ansatz, um beispielsweise auch Kriege zu verhindern?

Prof. Engel : Sie wissen, daß das auch die TM versucht hat. Man sagte, gebt mir soundsoviele Meditierende, die schicken wir in die Golfregion, dann kriegen wir das Ganze in den Griff. Aber das müßte man eben auch testen. Vielleicht hätte man das mal machen sollen. Damit man sieht, haut das nun hin oder haute das nicht hin. Maharishi Mahesh Yogi meint hier, wenn 1% der Menschen meditieren das sieht er auch für Kriminalitätsraten usw., würde man die Kriminalität sehr weit senken können. Das muß man überprüfen. Da muß man sehen, ist das nur so dahergesagt oder ist da etwas dran. Wie wird es vielleicht aussehen, wenn 10% da sind, die meditieren? Diese Dinge werden auch geprüft werden. Da wir bei TM sind, muß man sehen, was gibt es für Gründe, warum die TM insgesamt wieder an Bedeutung verloren hat. Haben die ganzen Artikel über das yogische Fliegen der TM genutzt oder eher geschadet?
 
 

D. W. : Ich würde sagen, eher geschadet. In meinem großen Bekanntenkreis klang doch sehr vieles, was da an Werbespots im Fernsehen lief, sehr lächerlich. Hier hatte die TM die große Chance, wenn sie sich nur an die Meditation gehalten hätte, sich durchzusetzen. Aber man hat hier den Bogen überspannt dies ist auch nach meiner Sicht kaum mehr reparabel.

Prof. Engel : Genau vor allen Dingen, weil das yogische Fliegen auch keiner demonstrieren konnte. Wenn einer gezeigt hätte 'hier, ich sitze eine halbe Stunde in der Luft', das wäre offensichtlich gewesen. Aber das Hüpfen, was man da gesehen hat, war gar nicht zu differenzieren. Jetzt könnte man vielleicht generell sagen: Meditationsrichtungen, die auf irgendwelche Effekte aus sind, schaden sich eher selbst. Hier haben wir schon ein weiteres Kriterium: Eine seriöse Vorgehensweise würde niemals auf solch eine Effekthascherei aus sein. Heilende Fähigkeiten sind etwas anderes bei vielen weisen Menschen ergab sich dies einfach und wurde nicht so in den Mittelpunkt gerückt. Da wird dann keine Show daraus gemacht.
 
 

D. W. : Noch eine andere Sache. Es gibt ja Menschen, die sich von Geistwesen bedrängt fühlen. Es ist immer schwierig, einen Ansprechpartner für diese Menschen zu finden, denn viele sehen eben die GEISTIGE WELT nicht als Realität an und versuchen dann, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, eine solche Problematik zu beheben sie scheitern aber häufig. Könnte man das in den Griff bekommen, das möglicherweise eben sogenannte "Geistwesen" ernst genommen werden und somit für die, die wirklich davon betroffen sind, eine seriöse Hilfe geschaffen werden kann, eben von ganzheitlich geschulten Psychiatern?

Prof. Engel : Ich würde jemanden mit diesen Befunden in die Richtung schicken, in die er gehört. Beispielsweise ins Christentum oder in sein entsprechendes religiöses Umfeld. Oder wenn er so leidet, daß es sagen wir einmal krankheitswertig ist, gibt es hier in Deutschland das Spiritual Emergency Network. In ganz Deutschland haben sich Therapeuten zusammengefunden und hierhin würde ich einen Betroffenen verweisen. Hier können Sie davon ausgehen, daß diese Leute nicht nur einen pharmakologischen Zugang zu Krankheiten haben und sowieso alles für Quatsch halten, was darüber hinausgeht, sondern sie sind offen und hören sich das Phänomen an, das ihnen berichtet wird. Das ist das, was mir jetzt konkret für Deutschland einfällt.
 
 

D. W. : Ich bedanke mich für das Interview.
 
 

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