Psychowissenschaftliche Grenzgebiete

 
Titel: Der Unterschied zwischen dem religiösen und dem spirituellen Menschen
Quelle:

Entnommen aus: "Die Andere Realität", wissenschaftliche Zeitung für Parapsychologie, bodenständige Esoterik und spirituelle Ökologie.

Verfasser: Friedhelm Wegner
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(Referate & Berichte)
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Vor zirka 20 Jahren war das Wort "spirituell" noch so gut wie unbekannt. Es wurde mit dem Wort "Spiritismus" in Zusammenhang gesehen und dementsprechend mit Tisch- und Gläserrücken in Verbindung gebracht. Obwohl sich beide Wörter vom Wort "Spiritus" (Geist) ableiten, hat der spirituelle Mensch mit dem Spiritismus nichts zu tun.

Mittlerweile ist das Wort "spirituell" im religiösen Bereich sehr gebräuchlich und wird mit dem Spiritismus nicht mehr verwechselt. Statt religiös wird immer häufiger spirituell gesagt, u. a. wird vom Umsetzen des Spirituellen ins tägliche Leben gesprochen. Ein religiöser Mensch ist jedoch, wie nachfolgend ausgeführt wird, kein spiritueller Mensch und umgekehrt.

Wer sich mit der Bewußtseinsentwicklung befaßt, weiß, daß der Menschengeist auf der Erde drei Hauptstufen der Bewußtseinsentwicklung durchläuft, von der die religiöse die erste (nach Ken Wilber die prärationale Stufe) und die spirituelle die dritte ist (nach Ken Wilber die transrationale Stufe). Zwischen beiden befindet sich als Übergang die materialistische Stufe, die Ken Wilber als rationale oder auch personale Stufe bezeichnet. Diese drei Hauptstufen bestehen aus Unterstufen, auf die hier nicht eingegangen werden kann.

Während der religiöse Mensch durch unbewußte Erinnerungen aus früheren Leben und religiöse Tradition geprägt ist (der Entwicklungsgedanke ist ihm fremd), sind es beim spirituellen Menschen die Erfahrungen und die damit verbundenen Intuitionen (entsprechend seinem Bewußtseinsstand) aus der GEISTIGEN WELT, die seine Entwicklung voranbringen.
 
 

Die spirituelle Entwicklungsstufe ist nur dann zu erreichen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind:

  1. Die wenigstens annähernde Ausgewogenheit zwischen den wichtigsten männlichen und weiblichen Elementen.

  2. Das Ende der materialistischen Bewußtseinsstufe muß erreicht sein, d. h. die Erkenntnis, daß der Materialismus sinnlos ist.

  3. Die Suche nach dem Sinn des Lebens, die oft erst durch ein oder mehrere Schicksalsschläge in Gang gesetzt wird.

Der religiöse Mensch braucht entsprechend seiner Entwicklungsstufe die weiße Magie und den Ritus (z. B. das Abendmahl und die Taufe). Für den spirituellen Menschen ist das alles überflüssig, weil er durch seine spirituelle Entwicklungsphase so etwas nicht mehr benötigt. Hierzu gehört auch die Beschneidung, bei den gläubigen Juden als äußeres Zeichen der Verbindung mit "Gott". Für den spirituellen Menschen sind solche magischen Handlungen hinfällig, denn die Verbindung zum Göttlichen (der GEISTIGEN WELT) wird durch die spirituelle Entwicklungsstufe automatisch hergestellt.
 
 

Für den religiösen Menschen ist die Erde ein Jammertal. Für den spirituellen Menschen dagegen ist die Erde die einzige Stätte für Höherentwicklung, wodurch innere Freude bedingt ist (ob noch andere Planeten wie die Erde existieren, spielt hierbei keine Rolle, denn in der GEISTIGEN WELT kann man die drei genannten Hauptstufen der Bewußtseinsentwicklung nicht durchlaufen).
 
 

Der religiöse Mensch hat zu seinem Körper eine negative Einstellung; für ihn ist er ein Kerker und ein notwendiges Übel. Der spirituelle Mensch hat dagegen eine positive Einstellung, denn er weiß, daß der Körper als Gefäß des Geistes für die Entwicklung durch die drei Hauptstufen der Bewußtseinsentwickung erforderlich ist und daß jeder seinen Körper selbst gestaltet (durch frühere und das jetzige Leben); er empfindet ihn nicht als Kerker und schon gar nicht als notwendiges Übel.
 
 

Der religiöse Mensch muß die Kirche oder ORTE DER KRAFT aufsuchen, um wieder gestärkt zu werden. Der spirituelle Mensch braucht dies nicht, denn er nimmt die KRAFT überall auf. Wie stark die KRAFT bei ihm einfließen kann, richtet sich nach der Höhe der spirituellen Entwicklung (die spirituelle Stufe gliedert sich in Unterstufen unterschiedlicher Bewußtseinshöhe).
 
 

Während der religiöse Mensch seine Dogmen (z. B: Die Zehn Gebote) mit Mühe ins tägliche Leben umzusetzen versucht, was oft nicht gelingt, ist dies beim spirituellen Menschen kein Problem, denn er weiß, daß jeder nur entsprechend seinem Bewußtseinsstand denken, fühlen und handeln kann, was nicht heißt, daß es keine Gesetze geben soll (ohne Gesetze kann keine Gesellschaft existieren).
 
 

Der religiöse Mensch ist nicht nur dogmatisch, sondern auch intolerant; nur seine Ansichten (seinen Glauben) hält er für richtig, andere möchte er am liebsten verbieten lassen, denn sie sind für ihn vom "Satan". Der Spirituelle dagegen ist offen und tolerant gegenüber anderen Anschauungen, weil diese durch die Bewußtseinsstufen möglich und von der jeweiligen Stufe aus gesehen auch richtig sind.
 
 

Das Negativste überhaupt ist für den religiösen Menschen das Essen vom Baum der Erkenntnis (die Erb- oder Ursünde), welche die Vertreibung aus dem Paradies zur Folge hatte. Der spirituelle Mensch weiß, daß er als Geistwesen freiwillig aus dem Göttlichen herausgetreten ist, um in einem höheren Bewußtseinszustand bedingt durch die Bewußtseinsentwickung auf der Erde wieder ins Göttliche zurückzukehren.

Bad Salzuflen, im Juli 2001